Ägypten-Ausflug nach Cairo

Reisebericht östliches Mittelmeer
 

Ägypten-Ausflug am Sonntag den 3. Mai 2009
 

6 Uhr 30: Das Telefon klingelt. Auf geht`s!  Duschen!  Ab zum Frühstück! Puh ich glaube fast alle Passagiere haben sich für die Ägyptentouren angemeldet. Der Frühstücksraum ist so gut wie voll. Die Leute rennen hektisch , manche auch ziellos,  durcheinander, um sich an den Buffets das gewünschte Essen zu holen. Nach dem Frühstück noch mal zur Kabine. Alles einpacken, was man mitnehmen will immerhin sind wir bis abends 20 Uhr unterwegs. Noch einmal auf die Toilette wer weiß, wann sich die nächste Gelegenheit bietet. Dann zum Treffpunkt auf Deck 9. Jetzt glaube ich wirklich, dass sich fast alle Gäste und das sind laut Aussage des Kapitäns 2127 auf den Weg machen. Nach kurzer Anweisung von mehreren Reisebegleitungen der AIDA-Besatzung setzen sich dann mehrere geordnete Haufen von Leuten in Bewegung immer der Person mit dem Schild , auf dem die Nummer des gebuchten Ausflugs steht, nach. Wir folgen dem Schild PSD04 = 3 Stunden Busfahrt von Port Said nach Kairo, Besichtigung der Alabaster-Moschee, der Pyramiden von Giseh, der Sphinx, Nilkreuzfahrt und  Papyrus-Institut,dann 3 Stunden Rückfahrt zum Schiff. Zuerst brauchen wir unsere Bordkarte zum Auschecken, dann geht`s  weiter an den ägyptischen Kontrollen vorbei, wo wir unsere Pässe herzeigen müssen und wieder mal die Taschen und Jacken durchleuchtet werden. Nun zur Straße, wo eine Unmenge von Reisebussen stehen mit den diversen Ausflugsnummern und Busnummern versehen. Auf dem Weg dorthin werden  wir von beiden Seiten von ägyptischen Straßenhändlern bedrängt, die mit Pharaos bedruckte Stofftaschen, Modeschmuckketten und anderen  Souvenir-Schnickschnack an den Mann bzw. an die Frau bringen wollen. Brav halten wir uns aber an die Anweisungen des Reisebegleitpersonals, den Bewegungsablauf nicht durch solcherlei Geschäfte aufzuhalten. Endlich haben wir unseren Bus erreicht. Kurz danach ist Abfahrt. Unser ägyptischer  Reiseleiter stellt sich als Mohamed vor. So heißen schließlich fast alle Männer in Ägypten sagt er. Er habe auch eine Tochter, teilt er uns mit und die heißt Uschi. Die einzige Uschi in ganz Ägypten. Er sagt immer zu ihr: Uschi mach kein Quatsch! Und schon ist das Eis gebrochen. Er  erzählt uns einiges über Land und Leute. Über die wirtschaftlichen Verhältnisse, über  den Glauben der Moslem, über die Geschichte des Landes. Z.Bsp. dass ein Teil der Frauen westlich orientiert ist, ein anderer Teil zwar die lange schwarze  Kleidung und auch die Kopfbedeckung der Moslem trägt, während der dritte Teil ganz in Schwarz geht und der Schleier nur  zwei Sehschlitze freigibt. Der Mann, der solch eine strenggläubige Muslima heiratet, bekommt das Gesicht seiner Frau erst in der Hochzeitsnacht zu sehen. Ein sogenanntes Überraschungspaket. Aber  - so betont Mohamed vielleicht auch aus diesem Grund darf der Moslem-Mann bis zu vier Frauen haben.
Außerdem erzählt er uns, dass in Kairo nur etwa 50 % der Autofahrer einen Führerschein haben. Die andere Hälfte fährt ohne. Von den 50 % , die einen Führerschein besitzen, haben jedoch nur ca. 10 % eine Fahrprüfung gemacht; der Rest hat seinen Schein gekauft. Diesen Umstand erklärt er folgendermaßen: Es gibt in Ägypten nur wenige Möglichkeiten Geld zu verdienen. Die Leute; die beim Staat angestellt sind, verdienen so wenig, dass sie sich durch den Verkauf von Fahrerlaubnissen gerne mal was nebenbei verdienen. Um beim Straßenverkehr zu bleiben: Man sieht in Kairo so gut wie keine Ampeln und die Verkehrsregeln werden für Fremde wahrscheinlich auch ein Geheimnis bleiben. Jedenfalls ist da ein ständiges Hupen zu hören. Mohamed erklärt uns die Verschlüsselung der Hupzeichen so: 1 mal Hupen steht für die Begrüßung, 2 mal Hupen heißt: Pass auf! 3 mal Hupen und jedes weitere Mal bedeutet: schimpfen schimpfen schimpfen. Es heißt auch, dass es in Kairo kein Auto ohne Beule gibt was ja nicht sehr verwunderlich ist, da hier die Fahrzeuge  schon mal bis zu 40 Jahre alt sind. Nun aber zurück zur Busfahrt nach Kairo. Bereits in Port Said fällt auf, dass an jeder Querstraße ein Soldat steht, der den Verkehr aufhält, damit der Bus-Konvoi ungestört passieren kann. Die ganze Fahrt über und das sind immerhin ca. 3 Stunden bis Kairo, ist die Umgebung auf beiden Seiten der Autobahn trist, karg, dreckig mit Unmengen von Unrat und Müll an den Straßenrändern. Zwischen  den spärlichen Dattelpalmen, die meist verdorrt oder gar entwurzelt anzufinden sind, zieht sich im dreckigen Sand ein Stromkabel  kilometerweit entlang. Ab und zu tauchen kleine Gebäude auf, die alle nach oben hin offen zu sein scheinen. Ich frage mich, ob diese Häuschen, wenn man sie denn so nennen kann, beim Zusammenfallen oder im Aufbau sind. Unser Begleiter erklärt, dass die  Ägypter in Großfamilien zusammenleben mit vielen Kindern. Eine Generation fängt an, so ein Haus zu bauen. Wenn das Geld ausgeht, lässt  er es so stehen und die nächste Generation baut dann vielleicht weiter. Was aber bei diesen Bauten fast nie fehlt , ist ein Taubenschlag. Wie  Türmchen, oben abgerundet, mit vielen Einfluglöchern stehen diese Tierbehausungen auf oder neben den Baracken. Ab und zu entdecke ich eine abgemagerte Kuh oder Ziegen. Ich frage mich, was diese Tiere hier überhaupt zum Fressen finden. Auch ein vorsintflutlicher Traktor, alte Roller und einige alte VW-Käfer begegnen uns. In Kairos Innenstadt sieht es etwas besser aus, zumindest in Gegenden, in denen die Reichen wohnen. Hier sehen die Palmen aus, wie man Palmen kennt und auch die eine oder andere Grasfläche ist zu entdecken.
Zuerst sehen wir uns die Alabaster-Moschee an, dann liefert uns der Busfahrer am Nil ab, auf dem wir  mit einem Boot eine Kreuzfahrt machen, bei der ein Mittagsbuffet angeboten wird. Danach geht`s weiter zu den Pyramiden von Giseh. Bevor wir aus dem Bus steigen, warnt uns Mohamed vor den aufdringlichen Händlern, die dort zusammen mit ihren Kindern versuchen den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sobald wir den Bus verlassen, kommen sie zu Fuß oder auch auf Kamelen von allen Seiten und bieten  ihre Ware feil. Am Fuße der Pyramiden verweilen wir ca. 20 Minuten, versuchen so gut es geht, den Händlern aus dem Weg zu gehen und machen natürlich einige Fotos, wie sich das für anständige Touristen gehört. Hermann nörgelt an mir herum: Du ziehst die Händler richtig an, weil du dich zu unentschlossen zeigst. Lass dich auf kein Gespräch ein! Nach einiger Zeit geht`s dann mit dem Bus ein Stückchen weiter zum nächsten Foto-Stopp. Zehn Minuten Halt,   verkündet Mohamed . Von hier aus können Sie drei Pyramiden auf einmal fotografieren . Ich biete Hermann an, doch auch einmal ihn zu fotografieren. Da taucht einer der Männer auf, die sich mit langen Beduinenmänteln und den typischen rot-weißen oder schwarzweißen Tüchern, die wie ein Turban um den Kopf gewickelt sind, etwas abseits bei den Kamelen versammelt haben. Er bietet  gestenreich an, sich mit Hermann fotografieren zu lassen. Blitzschnell zieht  er ein rot-weißes Tuch heraus und schlingt es Hermann wie einen Turban um den Kopf. Ich knipse, aber Hermann bezweifelt, vielleicht ja auch zu Recht, dass das Foto gelungen ist. Da greift der Kameltreiber zur Kamera, versucht durch Handzeichen und einige Brocken in Deutsch und Englisch uns in die richtige Foto-Position zu bringen.  Danach packt er Hermann am Arm und zieht ihn ein Stück weiter zu einer  noch besseren Stelle. Ich versuche abzuwehren mit dem Einwand:  Die zehn Minuten sind vorbei; wir müssen zurück zum Bus! Aber Hermann entgegnet: Gleich, das dauert doch nicht lang. Der Mann versteht sein Geschäft und nutzt den Überraschungsmoment. In der einen Hand die Kamera, zieht er mit der anderen meinen ach so schlauen Mann hinter sich her. Mir schwant nichts Gutes, aber gezwungenermaßen folge ich den beiden. Mittlerweile habe ich 2 Euro aus meiner Geldbörse gekramt, um nicht in der Handtasche suchen zu müssen, wenn ich dicht bei dem Kameltreiber stehe. Bevor wir es richtig mitkriegen, was unser Fotograf vorhat, kommt schon ein anderer Beduine auf uns zu. Auch mir wird jetzt ein Turban verpasst, bevor ich mich wehren kann und Hermann schiebt er auf ein Kamel, das sich im Sand niedergelassen hat. So werden wir ein paarmal mit Turban und Kamel geknipst. Eilig will ich dem Mann mein 2-Euro-Stück in die Hand drücken. Er wehrt ab. Mit nur einem Zahn im Mund, der auch noch recht  braun aussieht, wiederholt er immer wieder: Papier Papier! Also hole ich widerwillig einen  5-Euro-Schein aus der Handtasche.  Aber auch das ist ihm nicht genug. Er hat in meiner Geldbörse einen Zwanziger und Fünfziger gesehen. Dann holt er aus seiner Tasche ein Bündel EuroScheine und beteuert immer wieder: Kann wechseln change   Mittlerweile hat  Hermann den Fünfer ergriffen und reicht ihn dem Mann und erklärt energisch: Hier! Mehr gibt`s nicht! Ich verlasse den Ort eiligst in Richtung Bus. Als wir einsteigen, sind die anderen bereits alle im Bus. Buh! Das ist ja nochmal glimpflich abgegangen.
Die nächste Haltestation ist die Sphinx. Als gebrannte Kinder machen wir jetzt einen noch größeren Bogen um die zahlreichen aufdringlichen  Händler. Im nachhinein muss ich jedoch zugeben, dass der Preis für die Fotografier-Dienstleistung relativ günstig war auf der AIDA kostet ein Foto 7,95 Euro. Und der Fotograf des AIDA-Foto-Shops fotografiert die Gäste, wenn  sie auf dem Schiff ankommen, einzeln oder paarweise, wenn sie das Schiff verlassen, auf den zahlreichen Ausflügen, auf der Tanzfläche, im Restaurant usw.. Am Ende jeden Tages und natürlich am Ende der Reise haben sich dann mehrere Hundert Fotos angesammelt, die ausgestellt werden und natürlich auch gekauft werden können. Nach der Besichtigung werden wir noch zum Papyrus-Institut chauffiert. Das Papyrus-Institut befindet sich im ersten Stock eines Hauses, in dem im Erdgeschoß ein Souvenirladen untergebracht ist. In knapp 5 Minuten erklärt und zeigt uns der Inhaber des Instituts die Herstellung des Papyrus. Die Außenschicht des dreieckigen Stiels wird für die Herstellung von Schuhen verwendet, der innere Teil wird längs in Streifen geschnitten, wochenlang eingeweicht; dann werden die Streifen horizontal und vertikal über und nebeneinander gelegt und längere Zeit in einer einfachen Presse gepresst. Nach dieser kurzen Demonstration fordert er die Zuschauer  auf: Und nun können Sie kaufen! Anschließend steht uns noch etwa eine ½ Stunde zur Verfügung, uns im Souvenirladen umzusehen und je nach Bedarf mit Tüchern, Ketten und ähnlichem einzudecken. Die Rückfahrt nach Port Said zum Hafen verläuft auffallend ruhig. Vielleicht  ergeht es den anderen ja ähnlich wie mir. Ich bin froh, dass ich nicht hier leben muss. Als wir dann ziemlich spät das Restaurant betreten, wird mir der krasse Unterschied besonders deutlich bewusst. Dort die ärmlichen Hütten und die karge, dreckige Landschaft und hier alles im Überfluss Vom Nebentisch höre ich dann die Bemerkung eines anderen  Ägyptenbesuchers, er hätte sich von AIDA eine bessere Organisation versprochen als es der Fall war bei so einer langen Ausflugs-Tour wäre ein zusätzliches Lunch-Paket das Mindeste gewesen.
Heute sind wir ziemlich müde und geschafft von der langen Busfahrt. Nach dem Abendessen schauen wir uns nur noch die ca. ½ -stündige Tanz-Show Magic of Colours an und verdrücken uns dann auf unsere Kabine.
 

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