St. Johann – mein etwas anderer Skiausflug

St. Johann mein etwas anderer Skiausflug.
Bei unserem letzten Stammtisch am 28.Februar 2012 freut sich Schorschi, unser Wirt, auf den Ski-Ausflug am folgenden Samstag und bedauert gleichzeitig, dass sich aus seinem Bekannten- und Freundeskreis, keiner außer seinen Familienmitgliedern, für den Ausflug begeistern konnte. Spontan sage ich meine Teilnahme zu und kritisiere, warum denn ich nicht gefragt worden bin. Nachdem alle anderen Stammtischteilnehmer jedoch erklären, dass sehr wohl der Ausflug Thema des letzten Stammtisches war, muss mir da wohl was entgangen sein!
Der Haken: Mein letzter Ski-Ausflug ist mehr als schlappe 30 Jahre her. Meine Skier habe ich nach dem Hausbau zum Festtreten des Rasensamens benutzt und ob von der restlichen Ausrüstung noch etwas vorhanden bzw. brauchbar ist, ist mehr als fraglich. Nach einigen Überlegungen überlässt mir Erni, unsere Wirtin, ihre Skier, und auch die Ski-Schuhe passen. Daheim finden sich noch Ski-Stöcke und mein Sohn erinnert sich, noch eine Ski-Brille und passende Handschuhe zu besitzen.
Im Vorfeld kündige ich mein Ski-Sport-Come-back auf Face-book, und nicht nur da, großspurig an:
Am Wochenende geht s zum Ski-Fahren .Ein Hinterwäldler verlernt so was nicht .Dem ist das sozusagen in die Wiege gelegt .usw. Ich kann natürlich nicht alle meine Face-book-Freunde überzeugen. Manche hegen deutliche Zweifel. Sebastian meint: Schau mer mal! ein anderer empfiehlt Knieschoner.
Der Abreisetag rückt schnell näher. Am Freitagabend ist mein Rucksack gepackt, meine Check-Liste liegt auf dem Esstisch bereit und ich selber liege um 20:00 Uhr im Bett, um für den nächsten Tag fit zu sein.
Der Wecker klingelt um 2:15, eine wahrlich unchristliche Zeit. Ich schnappe mir eine Taschenlampe, da in unserem Dorf zu dieser Tages- bzw. Nachtzeit keine Straßenlampe brennt und es zappenduster ist. Bei Gößweins werden gerade die Ski-Ausrüstungen im Auto verstaut. Alles drin! Halt! Die Flach-Männer müssen noch mit Hochmoor-Geist befüllt werden. Wegen der Herrgottsfrühe und der Hetze wird nur einer völlig aufgefüllt, im anderen befindet sich nur der Rest, den ich noch zu Hause hatte.
Jetzt starten wir in Richtung Gunzenhausen, wo wir und die Ausrüstung in den Bus umgeladen werden. Weiter geht s nach Nördlingen, dann nach Möttingen dem Standort meiner Arbeitsstelle aber die lassen wir heute links liegen. Dann geht die Fahrt weiter nach Harburg, Augsburg und schließlich über München nach St. Johann, wo wir gegen 8:00 Uhr ankommen.
Ein emsiges Treiben entsteht, bis schließlich jeder seine Skier, Ski-Schuhe und Stöcke hat, und die Straßenschuhe im Bus verstaut sind. Jetzt stelle ich fest, dass mir Ernis Schuhe vielleicht doch etwas zu eng sind. Kurz entschlossen leihe ich mir vor Ort passende Schuhe aus. Noch bin ich im Zeitplan und ich beeile mich, zum Lift zu kommen. Unterwegs muss ich feststellen, dass ich blöderweise vergessen habe, meine Liftkarte bei der Reiseleitung abzuholen. Also noch einmal zurück zum Bus mit den klobigen Ski-Schuhen und dann wieder zum Lift. Ausgerechnet i c h verzögere den Ablauf, wo ich so was bei anderen abgrundtief hasse. Und zu allem Übel ist nicht einmal meine Frau dabei, sonst hätte ich wenigstens ihr die Schuld für alles zuweisen können.
Leider habe ich die Gondel nicht mehr erwischt, in der Schorschi mitgefahren ist. Nun befinde ich mich in einer Gondel mit lauter Fremden. Während der Fahrt kriegt keiner sein Maul auf und die Insassen glotzen sich nur schweigend an. Endlich! Raus aus der Gondel! Die Piste wartet! Ich komme!
Bis jetzt ist alles im grünen Bereich. Aber ich bin wieder der Letzte, der startklar ist. Meine Ski-Stiefel sind nicht optimal angeschnallt. Ich habe das Gefühl, dass ich keinen festen Halt habe. Es bereitet mir Probleme, die Skier in der Spur zu halten in dem wackeligen Schuhwerk. Meine Muskulatur macht auch nur bedingt mit. Habe ich mich, wie so oft, überschätzt? Ist Ski-Gymnastik vielleicht doch sinnvoll?
Ich versuche, meiner Truppe zu folgen. Aber ich bin einfach der L e t z t e! Schorschi ermuntert mich, doch engere Kurven zu fahren. Leicht gesagt wenn die Beine einfach nicht mitmachen. Nun habe ich die schwarze Abfahrt 7a (schwierig) erreicht . Meldung: Gehirn an Beine: Abrupt Stehen bleiben !
Mir wird die Luft hier zu dünn und ich kann meine Erschöpfung nicht mehr überspielen. Ein Geistesblitz macht mir klar: Hier fahre ich nicht runter! Hier kann ich bestenfalls runterstürzen. Ich gebe, meiner Meinung nach deutlich!?, Schorschi zu verstehen, dass ich irgendwie anders hier runterkomme und die anderen nicht auf mich warten sollen.
Dann mache ich kehrt und stakse mit einiger Mühe zur Liftstation zurück. Dort erkläre ich dem Personal den Grund für meinen jämmerlichen Zustand. Mittlerweile haben sich meine Atemprobleme verschlimmert und man schlägt mir vor, mich von der Bergrettung ins Tal bringen zu lassen. Das halte ich, auch finanziell, für übertrieben und ich suche nach einer anderen Lösung. Ein Mann mit einem Schnee-Mobil wird von einem anderen auf mein Problem aufmerksam gemacht, und er erklärt sich bereit, mich bis zur nächsten Gondel-Station nach unten zu bringen, wo mich dann das Personal in eine Gondel verfrachtet und weiter nach unten zur Talstation bringt. Leider ist es nicht meine Ausgangs-Station St. Johann, sondern die Tal-Station Oberndorf. Während der Suche nach einem Bus-Transfer begegne ich einem Einheimischen, dem ich meine Geschichte erzähle. Spontan ruft er seine Tochter an. 15 Minuten später holt mich eine hübsche 18-Jährige , die meine Tochter sein könnte, ab und bringt mich nach St. Johann. Da stehe ich nun mit klobigen Ski-Schuhen und habe keine Ahnung, wie ich zu meinen Straßenschuhen kommen soll, die sich im Bus befinden. Die Aussicht, den ganzen Tag mit diesen Schuhen an den Füßen ist nicht gerade erbaulich. In meiner Not gehe ich zum Ski-Stiefel-Verleih und schildere mein Dilemma. Und siehe da, der Kollege des Mitarbeiters erklärt sich bereit, mir seine Straßenschuhe kurzfristig zu überlassen. Nun ist die Welt schon fast wieder in Ordnung. Ich setze mich auf die Terrasse der Gondelstation mit Blick auf den Auslauf der Ski-Piste und lasse mich von der Sonne bescheinen. Nun gilt es, den noch ziemlich langen Tag bis zur Abfahrt des Buses um 17:00 Uhr totzuschlagen. Per Handy rufe ich zu Hause an und schildere die Ereignisse. Nachdem meine Frau überzeugt ist, dass soweit alles in Ordnung ist mit mir , kann sie es sich nicht verkneifen, mir vorzuschlagen, dass ich ja nun genügend Zeit hätte, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich am besten aus meinen großspurigen Ankündigungen wieder rauskomme.
Kurze Zeit später erhalte ich einen Anruf von zu Hause. Waltraud erzählt mir, dass in der Zwischenzeit Schorschi bei sich daheim angerufen und berichtet hat, dass der Truppe der Schick abhanden gekommen ist. Daraufhin hat Erni sich telefonisch mit Waltraud in Verbindung gesetzt und den vermeintlichen Verlust gemeldet. Zu ihrer Überraschung hat ihr Waltraud erklärt, dass sie wisse wo ihr Mann sich aufhält: nämlich in einem Restaurant in St. Johann beim Kaffeetrinken. Letztendlich gibt Erni Waltraud die Handy-Nummer, über die ich mich bei der Truppe melden kann, was ich dann auch unverzüglich mache. Die internationale Verständigung hat somit einwandfrei geklappt.
Nun kaufe ich mir einen kleinen Notizblock und einen Bleistift, suche mir ein italienisches Restaurant, verleibe mir eine Lasagne, ein Glas Rotwein und Mineralwasser ein, dann mach ich mich daran, meinen etwas missglückten Ski-Ausflug schriftlich festzuhalten.
Dabei bin ich in mich gegangen und habe folgendes festgestellt: Hirn eines 30-jährigen physische Verfassung eines 60-Jährigen. (Anmerkung meiner Frau: Sie zweifelt an der ersten Aussage -und die physische Verfassung ist die eines 61-Jährigen.)Werde darüber nachdenken. Vermutlich noch lange!
Und ich nehme alles zurück was ich diesbezüglich großschnäuzig von mir gegeben habe!
Außerdem muss ich sagen, dass ich sehr überrascht bin, wie gut die Flachländler Ski-fahren können. Kompliment! Hut ab! Spitze! Respekt! Wow! Hau mi nauf!
Schlußgedanken
Wenn ich den Tag Revue passieren lasse, muss ich feststellen, dass ich einigen freundlichen und hilfsbereiten Menschen begegnet bin und so was ist ja schließlich auch nicht selbstverständlich.
Und ..
Schick hat den Wunsch, mit den Mörsacher Flachländern Ski zu fahren, noch nicht ganz aufgegeben aber vermutlich die Mörsacher den Wunsch noch mal mit ihm.
 
 

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