Rund ums westliches Mittelmeer

Sidi Bou Said & Medina von Tunis    Dienstag, 10. Mai 2011

Da um 8 Uhr 15 im Theatrium das Treffen für den Start zu unserem Ausflug nach Sidi Bou Said und Tunis angesetzt ist, sitzen wir bereits um 7 Uhr 15 beim Frühstück. Außerdem hat Hermann dazwischen auch noch einen Termin beim Schiffsarzt.
Nach der gleichen Prozedur beim Schiffsarzt wie am Tag zuvor, kommt mein Mann gerade noch rechtzeitig zum Treffpunkt im Theatrium. Schon setzt sich der Ausflüglertrupp in Bewegung. Wir verlassen das Schiff, überqueren einen Platz und werden durch ein Gebäude geschleust, wo wir unseren Pass und eine Art Passierschein, den wir bei der Buchung auf dem Schiff erhalten haben, vorlegen. Dann werden wir auf die wartenden Busse verteilt. Nach einer etwa 20-minütigen Fahrt erreichen wir das malerische Städtchen Sidi Bou Said. Als wir den Bus verlassen fallen mir zuerst riesige Feigenkakteen und Agaven mit meterlangen Blütenstängeln am Straßenrand auf. Wir folgen unserem tunesischen Reiseleiter und dann habe ich meine erste Begegnung mit einem der zahlreichen Straßenhändler. Plötzlich drückt mir ein Mann zwei Holzstäbchen in die Hand an deren Ende Jasmin-Blüten kreisförmig angeordnet und mit einem roten Bindfaden befestigt sind. Ich bedanke mich. Ein Wortschwall von unverständlichen Worten trifft mich und der Mann deutet auf das Tablett in seiner Hand, auf dem neben vielen Jasmin-Blütenstäbchen Euro-Münzen liegen. Ich versuche, ihm ein Exemplar der Holzstäbchen zurückzugeben. Aber wie soll man mit jemandem diskutieren, den man nicht versteht. Zu guter Letzt händige ich ihm zwei Euro aus und tragen die Holzstäbchen demonstrativ in der Hand, um weitere Verkäufer abzuwehren. Ich brauche ja nicht extra zu erwähnen, dass mir dieses Geschäft einige spöttische Bemerkungen meiner besseren Hälfte einbringt. Einem Mittouristen erklärt er mit einer Handbewegung in Richtung meiner Jasmin-Blüten, dass das ein typischer Hinweis für alle anderen Straßenhändler ist, dass man mir alles andrehen kann. Was mein Mann aber übersehen hat der Angesprochene hat genau die gleichen Jasmin-Blüten in seiner Hemdtasche! Tja Fettnäpfchen sind dazu da, um mit beiden Füßen reinzutreten.

Wir sind auf dem Weg zu einer orientalischen Museumsvilla, einem Harem-Palast. Die Gebäude, die wir passieren, zeigen einen maurischen Stil. Die Türen und Fenster sind in einem kräftigen Blau-Ton gestrichen und heben sich so deutlich von den strahlend weißen Mauern ab. In den engen Gassen reihen die kleinen Geschäfte im Wechsel mit den Straßenhändlern aneinander.
Jetzt erreichen wir den Harem-Palast. Durch ein Tor betreten wir den andalusischen Garten mit Oliven- und Orangenbäumchen, Hibiskus, Jasmin-Strauch und riesigem Feigenkaktus. Eine Hennapflanze rankt sich an einer weißen Wand empor. Seitlich des Tores ist an der Wand ein Mosaik zu sehen, das die Hand Fatimas darstellt ein Glückssymbol in Tunesien. Nach der Besichtigung der Räume erhält jeder ein Glas Pfefferminztee das Nationalgetränk Tunesiens.
Auf die erst wenige Wochen zurückliegenden Unruhen in Tunesien angesprochen, gibt sich unser Reiseleiter recht optimistisch. Er ist überzeugt, dass die Tunesier es schaffen, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Er erzählt, dass in Tunesien Sunniten leben, die im Gegensatz zu den Schiiten, tolerant sind. Auch für die Bildung wird einiges getan so gäbe es in seinem Land bei einer Gesamtbevölkerung von 10 Millionen Einwohnern, eine halbe Million Abiturienten ohne Job.
Wir haben noch etwas Zeit zur Verfügung bevor es weitergeht in die Altstadt von Tunis. In einem der Läden erstehe ich eine Zuckerdose als Mitbringsel für unsere Tochter. Als ich bezahle, wirft der Händler einen neugierigen Blick in meine Handtasche. Er hält meine Traubenzucker für Kaugummis und fragt, ob er einen haben könne. Ich gebe ihm ein paar Traubenzucker. Dann möchte er gerne noch meinen Kugelschreiber. Aber ich habe nur einen intakten in der Handtasche.
Der Inhaber des Nachbarladens fragt mich was ich gekauft hätte. Nach meiner Antwort wiederholt er immer wieder: Warum?, Warum hast du gekauft? Er fordert mich mit einem Looky, looky mehrmals auf, mich in seinem Laden umzuschauen. Kurz danach setzen wir uns zu meiner Erleichterung in Richtung Bus in Bewegung.

Unterwegs liegt immer wieder Schutt und Abfall in Tüten oder auch lose an den Straßenrändern oder zwischen den teilweise vertrockneten Palmen.
Nach einer 30-minütigen Busfahrt erreichen wir die Medina, die Altstadt, von Tunis, wo wir die Souks besuchen wollen. Neugierig betreten wir die engen, mit Gewölben überdachten Gassen. Spärlich beleuchtet bietet sich uns ein Bild von unzähligen, meist winzigen Geschäften. Läden, die in ihrer Größe eher an Einbauschränke erinnern. Vielleicht sitzen die Händler auch aus diesem Grund vor ihrem Geschäft mit einer Zigarette und einem Teeglas in der Hand. Mir fällt auf, dass es sich dabei fast ausschließlich um Männer handelt. Zwischen den Läden befinden sich auch immer wieder Werkstätten, in denen man den Handwerkern, wie Schneidern, Filzern, Kupferschmieden usw., bei der Arbeit zuschauen kann. Ganz geheuer ist uns nicht zumute. Unzählige Touristen sind mit ihren Reiseleitern in diesem Gassenlabyrinth unterwegs. Es herrscht ein quirliges Treiben. Von allen Seiten versuchen aufdringliche Straßenhändler die Aufmerksamkeit der Touristen auf ihre Angebote wie Schmuck, Schals, Tücher, Geschirr und Kleidung zu lenken. Mit einem Looky, looky wollen sie die Leute in ihre Geschäfte locken. Wir passen auf, dass wir unsere Gruppe nicht verlieren. Nicht auszudenken, wenn man vielleicht den Anschluss verpasst und weder der französischen noch der arabischen Sprache mächtig ist. 

Gute zwei Stunden später ist der Bus auf dem Rückweg nach La Goulette zu Hafen.
Wir sitzen bei einem verspäteten Mittagessen im Marktrestaurant, als sich zwei Frauen aus der Schweiz, Mutter und Tochter, zu uns an den Tisch setzen. Hermann, mit einer Käsesemmel bewaffnet ( wen wundert s?), sorgt für das Gesprächsthema. Die jüngere der beiden wundert `sich über die Wahl seiens Mittagessens in Anbetracht des reichlichen und vielfältigen Angebots. Er bemerkt, dass für seinen Geschmack nichts anderes dabei sei. Doch sage ich, es gibt Schupfnudeln. Das kann nicht sein , erwidert er, das hätte ich gesehen. Auf jeden Fall dauert es nur fünf bis zehn Minuten bis die Tochter meinen Mann durchschaut hat. Bei Ihnen kann es sich nur um einen Ess-Banausen handeln! Bei ihrem nächsten Gang zum Buffet hat sie auch für meinen Hermann was dabei: Einen Teller mit einer Schupfnudel. Dann entdecken mein Mann und sie eine Gemeinsamkeit: Sie sind beide 60 Jahre. Und beim lieben Thema  Geld bemerkt sie, dass ihre Mutter eine Devise hat: Immer einen Franken mehr in der Tasche als ich brauche. Diese Philosophie teile auch ich.
Wir plaudern noch etwas, treiben uns auf dem Pool Deck herum, sehen uns die Ausflugs-Präsentation von Palermo an und buchen unseren Ausflug.

Dann machen wir uns auf den Weg zum Abendessen ins Marktrestaurant. Das männliche Crew-Mitglied, das vor dem Lokal bei den Desinfektionskästen steht, macht Hermann darauf aufmerksam, dass für alle männlichen Gäste beim Abendessen lange Hosen Pflicht sind. Meinem Hermann fällt die Kinnlade herunter; er fühlt sich gemaßregelt. Das geht gar nicht ! Was der junge Mann nicht weiß, ja nicht wissen kann: MEIN MANN MACHT NICHTS FALSCH!
Mein Schick macht kehrt, läuft fünf Stockwerke runter, lange Gänge entlang, mit mir im Schlepptau, bis zu unserer Kabine. Aus Solidarität ziehe ich mich auch um. Dann ziehen wir ziellos wieder los. Hermann ist noch immer außer sich. Ich kann ihn gerade noch davon abhalten, vom Schiff zu springen. Nie mehr geht er ins Markt-Restaurant zumindest heute nicht mehr! Zu guter Letzt landen wir in der Pizzeria Mare. Original-Ton Hermann: Salat und ein Gläschen Wein das reicht. Er holt sich dann aber doch noch ein paar Würstchen mit Brot. Mir hat es auch den Appetit verschlagen jedoch nicht wegen der Kleiderordnung nein, nur deswegen, weil mein Hermann mal wieder so `nen Hermann gemacht hat . Nachdem ich mich wieder etwas beruhigt habe, hole ich mir ein paar Pizza-Stücke. Hier kann man an der Theke verschiedene, aufgeschnittene Pizza-Stücke auswählen oder sich die gewünschte Pizza ganz bestellen.

Mit einem Ehepaar aus Hanau bei Frankfurt diskutieren wir eine ganze Weile über den geplanten Ausstieg aus der Atomkraft anlässlich der Atomkatastrophe von Fukushima.
Zum Abschluss des Tages genießen wir im Theatrium noch die Darbietung Dancing Queen . Einer der vielen Sahnebonbons, das die Solisten des Show-Ensembles auf Lager haben. Ein Medley aus den Hits von ABBA, wie z. B. Dancing Queen , Mama Mia , Waterloo und viele andere. Das Abendprogramm im Theatrium klingt mit dem 2-Personen-Stück Wind of change aus, das die Frage, ob auch Männer in die Wechseljahre kommen, mehr oder weniger ernsthaft aufgreift. Zuerst erzählt der Mann einen Witz: Kommt eine Frau zum Arzt und klagt: Herr Doktor, ich habe einen 100-Euro-Schein verschluckt und unten kommt nur Kleingeld raus. Darauf der Arzt: Gnädige Frau, der Fall ist ganz klar Sie sind in den Wechseljahren. In der Schiffszeitung ist das Stück augenzwinkernd als Seminar für Frauen zum besseren Verständnis ihrer Partner beschrieben. Eine kleine Anekdote daraus will ich noch zum Besten geben. Er steht auf der Bühne und fragt seine Ehefrau: Liebling, was wünscht Du Dir dieses Jahr zum Hochzeitstag? Eine Reise? Schmuck? Oder ein neues Auto? Sie sitzt da mit übereinandergeschlagenen Beinen und rührt mit spitzen Fingern in ihrer Kaffeetasse und antwortet: Dieses Jahr möchte ich die Scheidung! Darauf er: So viel wollte ich eigentlich nicht ausgeben!

Was für ein Tag! Jetzt wird es Zeit ins Bett zu gehen. Na dann Gute Nacht .

Tunis Ausflug

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